Asbest: Für den Ausbau gilt die Gefahrstoffverordnung
Asbest wurde in Deutschland bis zum Verwendungsverbot 1993 verbaut. Fest gebundener Asbestzement hält seine Fasern in einer Zementmatrix und setzt sie frei, wenn er gebrochen, gebohrt, geflext oder unter Druck gereinigt wird — deshalb dürfen Asbestzementprodukte nicht bearbeitet und nicht gereinigt werden. Jede Tätigkeit, bei der Fasern frei werden können, regelt Anhang I Nummer 3 der Gefahrstoffverordnung mit Anforderungen an den ausführenden Betrieb: Arbeitsplan, Zulassung, Anzeige, Fach- und Sachkunde. Was das im Einzelnen bedeutet und warum der erste Schritt eine Materialprobe ist, steht auf der Rechtsseite.
Fundstellen: GefStoffV, Anhang I Nummer 3 — Asbest · Bayerisches Landesamt für Umwelt — Schadstoffratgeber Gebäuderückbau, Blatt 410 Dachwellplatten (Bearbeitungs- und Reinigungsverbot, Verwendungsverbot 1993)
Nachtspeicherofen: Asbest und Chrom VI im Nachtspeicherofen
Ob ein Nachtspeicherofen Asbest enthält, sehen Sie ihm nicht an. Das Bayerische Landesamt für Umwelt geht bei Geräten, die vor 1984 in den alten Bundesländern hergestellt wurden, von asbesthaltigen Bauteilen aus; die Berliner Stadtreinigung nennt Geräte aus den 60er- und 70er-Jahren. Meist klärt es das Typenschild: Mit Typenbezeichnung und Herstellungsjahr lässt sich beim Energieversorger erfragen, ob das Modell asbesthaltig ist, und Stiebel Eltron sowie Dimplex (für Bauknecht-Geräte) veröffentlichen eigene Listen. Unabhängig vom Asbest können Speichersteine aus Magnesit oder Forsterit Chrom VI enthalten, auch in asbestfreien Geräten. Solange ein asbesthaltiges Gerät unbeschädigt im Raum steht, besteht nach Auskunft der BSR in der Regel keine Gesundheitsgefahr; gefährlich wird das Öffnen. Deshalb: nicht öffnen, nicht zerlegen, die Steine nicht ausbauen.
Fundstellen: LfU Bayern — Schadstoffratgeber Gebäuderückbau, Blatt 413 Elektrospeicher-Heizgeräte (Stand 09/2020): vor 1984 in den alten Bundesländern hergestellt, Chromat in Kernsteinen aus Magnesit oder Forsterit · LfU Bayern — Anwendung des ElektroG für Nachtspeicherheizgeräte: chromhaltige Speichersteine auch in asbestfreien Geräten · BSR Berlin — Abfall-ABC „Nachtspeicherofen“: Geräte aus den 60er und 70er Jahren können Asbest enthalten; unbeschädigt in der Regel keine Gesundheitsgefahr · § 13 Abs. 5 ElektroG — asbesthaltige Nachtspeicherheizgeräte, Abbau und Verpackung durch Fachpersonal · TRGS 519, Nummer 2.5 — Entsorgung asbesthaltiger Geräte, ausdrücklich Nachtspeicherheizgeräte (Fassung vom 28.02.2025)
Fliesen: Asbest im alten Fliesenkleber
Ob alte Fliesen Asbest mit sich führen, hängt am Kleber, nicht an der Fliese. Das Bayerische Landesamt für Umwelt nennt Dünnbettmörtel: Eine Beimischung von Asbestfasern war dort in den 1960er bis in die 1980er Jahre weit verbreitet, in Einzelfällen bis 1994; Dickbettmörtel weist in der Regel keine Schadstoffe auf. Weil Verarbeiter teils lose Fasern vor Ort beimischten, kann die Verteilung selbst innerhalb eines Gebäudes ungleich sein. Fliesen aus dieser Zeit entfernen Sie deshalb nicht selbst: Zuerst lassen Sie eine Materialprobe klären, ob Asbest im Kleber ist; ist er es, gehört der Ausbau in die Hand eines Fachbetriebs. Aufstemmen mit dem Bohrhammer hält das LfU für unzulässig. Fliesen mit asbesthaltigem Kleber sind asbesthaltige Baustoffe (AVV 17 06 05*) und gehören nicht in den gewöhnlichen Bauschutt.
Fundstellen: LfU Bayern — Schadstoffratgeber Gebäuderückbau, Blatt 444 Fliesenkleber (Stand 09/2020) · Umweltbundesamt — Asbest: auch Fliesenkleber, Spachtelmassen und Putze können Asbest enthalten; Verbot seit 31. Oktober 1993